Fragen und Antworten zum Thema „Winterfest mit CF“

Vorsorge wichtig für die Lungengesundheit

Warum sind Erkältungen für Menschen mit CF besonders problematisch?

Erkältungen und ihre Begleiterscheinungen wie Husten, Schnupfen, Heiserkeit, Halsschmerzen, Krankheitsgefühl sind zwar unangenehm, jedoch in der Regel zumeist harmlos (auch für Männer).

Dennoch ist das Immunsystem stärker beschäftigt und generell nicht gut im „Multitasking“. Durch den Virusinfekt wird es abgelenkt, und ein bakterieller Infekt kommt leichter zum Zuge.

Vermehrter Schleim in den Nasennebenhöhlen und Bronchien stellt einen guten Nährboden für bakterielle Erreger dar. Aus einem harmlosen Virusinfekt kann also leicht eine ausgewachsene bakterielle Infektion werden.

Die CF-Lunge befindet sich nach einer vorausgegangenen bakteriellen Infektion (Infektexazerbation, kurz Exazerbation) etwa mit Pseudomonas-aeruginosa-Erregern oder Staphylokokken in einer Art Balance zwischen lokaler Gewebeabwehr und der Menge entsprechender Keime.

Weil die Infektabwehr also nicht besonders multitaskingfähig ist, kann der Virusinfekt zu einem Aufflammen einer Lungenentzündung führen – mit hohem Fieber und starker Einschränkungen des Allgemeinbefindens (Schwäche, Gewichtsabnahme, sehr starkes Krankheitsgefühl).

Nach dem Stand der Wissenschaft führen bakterielle Besiedlungen nicht direkt zu einem unwiederbringlichen Verlust an intaktem, weiterhin zum Gasaustausch fähigen Lungengewebe. Exazerbationen jedoch können den Grund für einen nicht wieder ganz aufholbaren Einbruch an Lungenfunktion darstellen – denn dadurch droht ein weiterer Umbau der Gewebestrukturen in der Lunge: Die zunehmend ungleiche Belüftung der Lunge begünstigt Infekte und erschwert den Zugang durch inhalative Medikamente. 

Daher ist es sehr ratsam, die Häufigkeit von Erkältungen als einem wichtigen Auslöser solcher Exazerbationen zu minimieren.

Was sind die Hauptgründe für Erkältungen in der Winterzeit?

Trockene Heizungsluft an kalten Tagen macht die Schleimhäute in der Nase und Nebenhöhlen sehr empfänglich für Viren. Hinzu kommt, dass besonders die sogenannten Rhinoviren sich bei niedrigeren Temperaturen sehr gut vermehren. Aber auch andere Viren wie etwa Adenoviren freuen sich, an den zu trockenen Schleimhäuten besser anhaften zu können.

Exkurs: Was bedeutet eigentlich „relative Luftfeuchte“?

Bei niedrigen Temperaturen kann Luft weniger Wasser aufnehmen als bei hohen Temperaturen: für jede Temperatur gibt es eine Maximalmenge Wasser, die Luft in sich speichern kann (Sättigungsgrenze). Wenn man diese Maximalmenge mit „100%“ benennt, wären 50% die Hälfte dieser Wassermenge. Ein Würfel aus 1m Kantenlänge (1 Kubikmeter bzw. m³) Luft kann bei 20 Grad max. ca. 17g Wasser aufnehmen. Bei 30 Grad sind es schon 30g Wasser. Die Menge an Wasser entlang der Temperatur gehorcht einem exponentiellen Wachstum. Bei 100 Grad „passen“ tatsächlich 580g Wasser in diesen Würfel!

Wenn man einen 30 Grad warmen Luftwürfel mit 30g Wasser auf 20 Grad abkühlen lässt, müssen 30g-17g=13g Wasser „abgeregnet“ werden, man nennt diesen Vorgang auskondensieren. Sichtbar werden solche Vorgänge etwa an den feuchten Stellen kühler Scheiben und Wänden, oder dem Effekt an der Brille, wenn man vom Kalten ins Warme kommt. Hier kondensiert an der kalten Brillenoberfläche das Wasser auch so lange aus, bis die Brille erwärmt ist.

Relative Luftfeuchte wird also in % (des Sättigungsmaximums) dargestellt, hingegen absolute Luftfeuchte in g/m³.

Welche Maßnahmen in meinem Wohnraum kann ich ergreifen?

  • Nur moderat heizen, dafür wärmer anziehen! Das spart Energie und liegt im Trend, ist aber vor allem gut für den Körper.
  • Kontrolle der relative Luftfeuchte mit einem guten Hygrometer, anzustreben sind 50-60%. Beispiel: https://www.amazon.de/gp/product/B07DCT1H9W
  • Besonders Schlafräume sollten kühl bleiben, immerhin verbringt man meist zwischen 6-8 Stunden dort. Wie gut, wenn sich die Schleimhäute ein bisschen erholen können. Notfalls kann ein Wärmeunterbett verwendet werden, da dies kaum Auswirkung auf die Raumtemperatur und somit die relative Luftfeuchte im Schlafzimmer hat.

Welche Vorsichtsmaßnahmen sind bei der Luftbefeuchtung einzuhalten, speziell bei CF?

  • Bei CF keine Luftbefeuchter mit Kaltverdunstungstechnik („Luftwäscher“) verwenden, da hier zwar feiner Dampf entsteht, es im Gerät jedoch zum Wachstum von Schimmelpilzen kommen kann, wenn man sich nicht genau an die Anleitung hält.
  • Bei CF keine Luftbefeuchter auf Ultraschallbasis verwenden, da hier kein Wasserdampf, sondern ein Aerosol (Tröpfennebel) erzeugt wird, welches sich leider dazu eignet, Bakterien tief in die Lunge zu befördern.
  • Vorsicht: Bei nach außen schlecht wärmeisolierten Fenstern und besonders Wänden kommt es durch die Bildung von Feuchtigkeit früher oder später zur Vermehrung von Schimmelpilzen. In diesem Fall mag das (rechtzeitige!) Abrücken von Schränken helfen. Gelingt hierdurch keine Verbesserung, macht das zusätzliche Befeuchten der Wohnluft leider keinen Sinn. Dann wäre über einen Wohnungswechsel nachzudenken, denn bei CF muss dem Wohnklima eine besondere Aufmerksamkeit zukommen.

Was kann gegen Erkältungsinfekte ebenfalls helfen?

Ein paar Ideen und Inspirationen:

Und wenn das alles irgendwie nichts zu bringen scheint?

In solchen Fällen sollte zusammen mit dem Behandlungsteam überlegt werden, ob frühzeitig(er) Vorbereitungen einer Antibiose eingeleitet werden. Besonders könnte dieses Vorgehen ratsam sein, wenn vergangene Lungeninfekte regelmäßig zu irreversiblen Schäden geführt hatten.

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