Unser etwas andere Organspendeausweis

Traurige Tatsache

Hier in Deutschland dient, einzigartig in Europa, die sogenannte Entscheidungslösung („Opt-in“) als Erklärung der Bereitschaft zur Organspende. Viele Menschen wollen sich mit dieser Frage nicht auseinandersetzen. So ist die Zahl der Menschen, die ihre Organe spenden würden, extrem niedrig. An dieser Situation wird sich bis auf Weiteres nichts ändern – das ist der deutsche Weg.

Und dann kam der Organspende-Skandal?

Vor einigen Jahren hatten einige Mediziner Befunde ihrer Patienten „frisiert“ an Eurotransplant gemeldet. So wurde die Dringlichkeit für das nächste passende Organ hochgestuft. Die Mediziner handelten allem Anschein nach nicht aus materiellem Eigennutz. Vielmehr war dieses Fehlverhalten einer extremen Anteilnahme an „ihren“ Patienten geschuldet. Wenn ein Patient in schwerkrankem Zustand monate- oder gar jahrelang „gelistet“ ist, zuletzt nur noch im Krankenhaus ist, kann er dem medizinischen Personal schon sehr persönlich ans Herz wachsen. Ob dadurch jemals ein Organ „vergeudet“ wurde, wissen wir nicht.

Durch diesen sogenannten Skandal gibt es noch weniger Spendenwillige als je zuvor. In der öffentlichen Darstellung durch die Medien wurde der Versuch erst gar nicht unternommen, diese persönliche Seite zu durchleuchten. Es war viel spannender, die Sache reißerisch darzustellen, Assoziationen aufzubauen zu Geldgier und Rücksichtslosigkeit. Die Wahrheit umfassender darzustellen, ist schwieriger – und die so wichtigen Klickraten auf die Nachricht sinken rapide. Jahre später wurden betroffene Mediziner von Gerichten freigesprochen. Siehe zum Beispiel: http://www.sueddeutsche.de/gesundheit/transplantationsskandal-bgh-bestaetigt-freispruch-fuer-goettinger-transplantationsmediziner-1.3565423.

Paradoxe Wirkung eines Medienskandals

Wären mehr Menschen in Deutschland bereit zur Organspende, wäre die Warteliste wesentlich kürzer. Den Journalisten ist wahrscheinlich nie klar geworden, welche Folgen ihre Beiträge hatten: noch mehr Menschen müssen sterben, weil nicht rechtzeitig ein passendes Organ für sie gefunden werden kann. Besonders Patienten mit schwerem Nierenfunktionsverlust sind betroffen.  Sie sterben, bevor sie ein geeignetes Organ erhalten.

Die Regelungen in Europa

In den Ländern Bulgarien, Frankreich, Irland, Italien, Lettland, Liechtenstein, Luxemburg, Niederlande, Österreich, Polen, Portugal, Slowakei, Slowenien, Spanien, Tschechien, Türkei, Ungarn und Zypern gibt es eine Widerspruchslösung. Jeder Mensch ist potentieller Organspender, es sei denn, er erwirkt einen Eintrag etwa in ein entsprechendes Register,  um eine Organentnahme zu verhindern – „Opt-out“.

In den Ländern Dänemark, Griechenland, Großbritannien, Litauen, Rumänien und in der Schweiz gibt es eine sogenannte erweiterte Zustimmungslösung. Hier können, wenn keine Entscheidung des Patienten aus Lebzeiten vorliegt, nahestehende Personen für oder gegen die Organentnahme entscheiden.

Unser Organspendeausweis mit Nachbrenneffekt

Wir haben den bekannten, in Deutschland gängigen, Organspendeausweis etwas verändert und davon 5 Stück – zum Beispiel für nette Partyabende – auf eine DIN A4-Seite zusammengestellt.

Das Format wurde so angepasst, dass man den Organspendeausweis um seinen Personalausweis legen kann. So „stolpert“ das Rettungspersonal auf der Suche nach dem Ausweis zunächst über den Organspendeausweis. Es entstehen selten Stürme der Begeisterung, wenn so ein Ausweis gefunden wird, denn es bedeutet viel zusätzliche Arbeit. Die Zahl nicht vorgenommener Organspenden, obwohl der Wunsch dokumentiert war, kennen wir nicht.

Um das zu unterstreichen, haben wir den Satz „Nichtbeachtung dieses Organspendeausweises wird durch meine Erben strafrechtlich verfolgt!“ eingefügt. Selbst wenn die Drohung rechtlich ins Leere gehen mag, wird der betroffene Notfallmediziner vielleicht nach kurzem Grübeln doch nicht wegsehen. Es ist für einen wirklich guten Zweck.

Hinweise zur Benutzung

  • Download PDF-Datei „Der etwas andere Organspendeausweis“
  • Ausdrucken auf die glänzende Seite von 170-200 g/m² Hochglanzpapier
  • Mit einer guten Schere knapp ausschneiden
  • Einmal in der Mitte falten, dann in die andere Richtung umklappen und nochmal falten, damit der Faltbruch weicher wird, Fotopapier ist zunächst ziemlich zäh.
  • Name, Geburtsdatum, Adresse eintragen
  • Ein Kreuz auf der rechten Seite, ggf. ausdrücklicher Organausschluss/-einschluss und ggf. die Adresse eines Entscheiders nach dem Eintritt des Todes
  • Erst Datum und Unterschrift machen das Dokument rechtsgültig
  • Um den Personalausweis legen
  • Ggf. an eine Seite des Personalausweises ankleben

Ist die Möglichkeit, so nach dem eigenen Tod einem oder mehreren Menschen zu einem Leben zu verhelfen, nicht eine schöne Aussicht?

Zum Abschluss: Lebe vorsichtig!

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