Darmpflege bei CF

Was hat man davon, wie funktioniert's?

 

Die Tatsache, dass die Gefahr eines sogenannten kolorektalen Karzinoms bei CF um das 5-10fache erhöht ist, kann angesichts der weiter zunehmenden Lebenserwartung der Menschen mit CF nicht ignoriert werden. Die genauen Ursachen dafür sind unbekannt, aber es könnte sich um eine Folge der Eindickung des Darmschleims handeln.

Was spricht für eine regelmäßige, stetige Darmreinigung?

Die Gemeinsamkeit aller „mukoviszidoofen“ Probleme ist ja der fehlerhafte CFTR-Kanal, der zu einem Wassermangel in den Schleimschichten führt.

Wie der Lunge, …

Bei der Lunge ist die Förderung des Flüssigkeitseinstrom best practice (etwa durch hypertone Kochsalzlösung oder Mannitol), um der Wirkung des defekten CF-Kanals etwas entgegenzusetzen. Man wartet nicht ab, bis die Lunge voller Schleim ist, um ihn dann etwa abzusaugen, sondern versucht dem präventiv entgegenzuwirken. Die Therapie der Lunge „lebt“ von dem Versuch, der Eindickung des Schleims in möglichst jeder Ecke der Lunge durch Einwirken mit möglichst hochprozentiger Kochsalzlösung ständig entgegenzuwirken. Die inhalierte Kochsalzlösung zwingt die Bronchialschleimhaut dazu, Wasser in das Lumen, also den atemführenden Bereich einströmen zu lassen. So wird der Schleim wieder für einige Minuten bis Stunden flüssiger – die Lunge kann sich leichter von ihm befreien, der essentielle Reinigungsprozess (die mukoziliäre Clearance) läuft vorübergehend wieder.

so der Darm, denn er ist nicht nur zuständig für Ärger

Eingedickter Darmschleim verhindert oder verringert zumindest die Nährstoffaufnahme, ist somit ein Grund für Gewichtsprobleme! Umgekehrt gilt daher: eine verkürzte Darmpassagezeit durch Abführmittel oder andere Maßnahmen muss sich nicht negativ auf die Nährstoffaufnahme auswirken. Unter Umständen überwiegen die Vorteile von Abführmaßnahmen sogar deutlich!

Einmal mehr das Zauberwort: Geduld

Für viele Menschen mit CF klingt das Wort Geduld nach Zahnarztbesuch, wenn sie es schon wieder hören müssen! Müssen sie nicht jeden Tag schon so viel Geduld im Umgang mit ihrer Krankheit aufbringen?

Denn: genauso, wie es sinnlos wäre, die Lunge mit Salz zu überfüllen, gilt es, eine gute Macrogol-Dosis für den Darm zu finden – es erfordert Geduld.

Das How-to

Erster Schritt: ordentliches „Durchputzen“ des Darms mit wirklich großen Mengen Macrogol – wie vor einer Darmspiegelung! Dafür gibt es ja auch größere Gebinde wie etwa Cleanprep.

Dann Tag für Tag: beginnend mit sehr kleiner Dosierung, vielleicht nur einen Teelöffel Macrogol-Pulver (etwa Movicol) auf ein Glas Flüssigkeit jeweils morgens und abends einnehmen. Die Dosisfindung kann viel Geduld kosten, weil sie für jeden Betroffenen völlig unterschiedlich ist. Kommt es erneut zu Verstopfungen, muss man auf „Restart“ gehen: nochmal alles durchspülen, weil man zu niedrig dosiert hat oder die zeitliche Verteilung über den Tag nicht optimal war.

Möglicherweise kommt man auf Dauer gar nicht umhin, beispielsweise monatlich eine „Grundreinigung“ vorzunehmen, um sich die restliche Zeit auf der „Unterhaltsreinigung“ auszuruhen.

Was uns in diesem Zusammenhang interessieren würde: Gäbe es Salztabletten mit zwei unterschiedlichen Auflösungsverhalten, bei welchen eine Sorte im Dünndarm aktiviert wird, die andere sich gar erst im Dickdarm öffnet – wäre das nicht zumindest für bestimmte Darmabschnitte eine Behandlung entlang des Basisdefekts? Auch hier müsste es, wie bei der Therapie der Lunge mit osmotisch wirksamen Substanzen wie Kochsalz oder Mannitol, zu einem Flüssigkeitseinstrom und folglich einer Normalisierung der Darmschleimkonsistenz kommen.

Die Belohnung

Vielleicht erreicht man durch besagte Darmtoilette (dem Pendant zur Bronchialtoilette) ja einige Ziele:

  • Weniger bis gar keine Bauchschmerzen mehr
  • weniger bis gar keine Verstopfung
  • Gewichtszunahme, weil die Nährstoffe wieder zur Darmwand hindurchdringen
  • Geringerer oxidativer bzw. toxischer Stress und daher
  • geringeres Darmkrebsrisiko

Noch ein Hinweis: auch gegen sogenannte paradoxe Durchfälle hilft nur die konsequente Reinigung. Sie sind Zeichen der Tatsache, dass der Dickdarm bereits mit seiner Basisaufgabe überfordert ist, nämlich der Entwässerung des Kots. Offensichtlich, dass dann auch die gesamte Aufnahme von Nährstoffen und Produkten des Mikrobioms wie Vitaminen im Dickdarm massiv gestört ist.

Weiterführender Artikel: Hat man nun ein Setting für seinen Darm gefunden sollte man sich noch mit dem Thema Flohsamenschalen befassen. Diese begünstigen einen Rückgang von Entzündungen und senken zugleich die Passagezeit für Essen leicht ab, ohne Verstopfungen zu riskieren – bei richtiger Anwendung!

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