F&A zur Bestimmung der Sauerstoffsättigung im Blut während der Nacht

Dürfen wir eine Vorbemerkung machen?

Wir Menschen machen es mit der Wahrnehmung der Realität gerne wie Kinder beim Fangen spielen: Wir schließen die Augen in der Hoffnung, dass uns andere nicht finden – Leider ändert sich nur nie etwas an der Realität, wenn man sie ausblendet, sie nicht wahrnimmt: Sie ist immer anwesend!

Jedoch: öffne ich die Augen und erkenne ich ein Problem, dann kann ich es vielleicht lösen und wirklich zum Verschwinden bringen. Dazu allein möchten wir mit diesem Beitrag – einmal mehr – ermutigen!

Wer jetzt noch dabei ist, den mag folgende erste Frage interessieren:

Welche Folgen haben erniedrigte Blutsauerstoff-Pegel?

Liegt die Ursache in einer Lungenerkrankung, führt das unter anderem zu einer zusätzlichen Entzündungsreaktion des Lungengewebes, was wiederum eine Beschleunigung der Lungenerkrankung und auch mehr Infektexazerbationen der Lunge bedingen kann. Ferner ist der Schlaf weniger erholsam. Oft ist das morgendliche Aufwachen mit leichten oder mäßigen Kopfschmerzen erstes Zeichen nächtlicher Untersättigungen des Bluts mit Sauerstoff. Solche spürbaren Zeichen können jedoch auch lange ausbleiben.

Warum lassen sich solche Probleme nicht tagsüber bei CF-Routineuntersuchungen aufdecken?

Da in der Nacht der Atemantrieb anderen Regeln unterworfen ist als tagsüber, kommt es zunächst mehr und mehr nachts zu kurzen Tiefs in der Sauerstoffsättigung. Tagsüber und auch in aufrechter Lage kompensiert das Atemsystem beginnende Einbrüche im Gasaustausch noch unter Umständen für mehrere Jahre, obwohl die Lungenerkrankung fortschreitet.

Wie wird „traditionell“ nach nächtlichem Sauerstoffmangel gesucht?

Üblicherweise führen zum Beispiel die weiter oben genannten morgendlichen Beschwerden wie Kopfschmerzen oder eine neu hinzugekommene Tagesmüdigkeit zur ersten Verdachtsäußerung. Daraufhin wird ein Termin im Schlaflabor ausgemacht, um mit einer sogenannten Polysomnographie dem Problem auf die Schliche zu kommen.

Welches Probleme bringt der Weg ins Schlaflabor möglicherweise mit sich?

Häufig wird besagter Verdacht bereits sehr spät geäußert – eher durch Zufall als systematisch stößt man auf die Frage, ob der CF-Betroffene vielleicht nächtlichen Sauerstoffmangel aufweist. Die meisten Schlaflabore in Deutschland haben ziemlich lange Wartezeiten. Dadurch, dass das Thema Schlafapnoe bei ansonsten „Gesunden“ in den letzten Jahren häufiger in den Fokus von Vorsorgemaßnahmen geraten ist, gibt es einen großen Andrang auf die wenigen Termine. Es gibt derzeit übrigens 310 akkreditierte Schlaflabore in Deutschland, die verlinkte Liste ist nach PLZ sortiert.

Irgendwann hat man endlich einen Termin im Schlaflabor. Nun kann etwa aufgrund der fremden Umgebung ausgerechnet „diese“ Messnacht sehr gestört sein. Die Folge: Durch den sich ergebenden Stress atmet man intensiver als im heimischen, vertrauten Bett. Das kann dann fatalerweise dazu führen, dass man mit Normalbefund oder noch ausreichendem Befund wieder nach Hause geht, obwohl man eigentlich schon einen nicht mehr so gesunden Schlaf aufweist.

Alle diese Faktoren können zu erheblichen Verzögerungen einer bereits lange notwendigen Therapie führen.

Was kann man stattdessen selber tun?

Es gibt schon seit einigen Jahren Finger-Pulsoximeter für den Heimbereich, mit denen man bis zu 24h sowohl Sauerstoffsättigung (SpO2) als auch Pulsverlauf messen und aufzeichnen kann. Mit einer Software werden diese Daten dann am nächsten Tag in ein Notebook oder PC mit Windows 7/8/10 eingelesen und analysiert. Auch, wenn im Schlaflabor zwar noch mehr Daten aufgezeichnet werden, etwa die Atemkurve über Zwerchfellsensoren, reichen die zuhause gewonnenen Daten für einen ersten Verdacht häufig aus.

Was kostet ein Fingerpulsoximeter mit integriertem Datenrekorder?

Schon im Preisbereich von 50-70 Euro gibt es gute Geräte. Interessanterweise scheint ein sogenannter OEM-Hersteller (OEM = Original Equipment Manufacturer) aus China für eine Vielzahl von Resellern (Wiederverkäufer), die ihre eigene Bezeichnung anbringen lassen, die Geräte herzustellen:  Contec Medical Systems. Dort wurde auch eine umfassende Auswertungssoftware zum freien Download zur Verfügung gestellt. Aktualisierungen erfolgen häufig.

Wie verhindere ich Fehlmessungen am besten?

Das Hauptproblem bei allen einfachen Fingerpulsoximetern: sie rutschen gerne irgendwann in der Nacht ab. Bewährt hat es sich, links und rechts mit einem 3-4 cm langen Heftplasterstreifen entlang des Zeige- oder auch Mittelfingers das Pulsoximeter gegen Abrutschen zu sichern.

Empfehlung für ein getestes Gerät?

Wir haben im Januar 2019 folgendes Gerät erworben und getestet (unsere Beiträge stellen dennoch niemals Gefälligkeitstests dar!):

BLYL CMS 50D+ Finger-Pulsoximeter und Herzfrequenz-Monitor, OLED, USB, mit 24-Stunden-Speicher, Halteschlaufe, USB-Kabel, vollständige Analysesoftware

Kostenpunkt am 24.01.2019 ohne Batterien (2 AA-Batterien werden noch benötigt): 33 EUR inkl. USB-Kabel und Software-CD. Hier die genauen technischen Spezifikationen. Entscheidend: im Wertebereich von SpO2 von 70-100% liegt die Messgenauigkeit bei +/- 2%, wobei das Gerät natürlich nicht mehr als 100 anzeigt, solche Werte haben wir bei unseren Versuchen auch noch nicht gesehen, also ist die Angabe schon eher eine pessimistische.

Wenn man kein CD-Laufwerk hat, findet man die aktuelle Software hier. Sinnvoll und allein notwendig ist für das CMS50D+ übrigens die Software SpO2-Assistant 3.04. Diese ist auf der genannten Webseite unter CMS-50D+ nicht aufgeführt, obwohl sie richtigerweise die einzige auf der CD befindliche darstellt.

Achtung: es existieren ähnlich Angebote „CMS 50D“ (ohne PLUS), bei denen jedoch Software und Kabel fehlen. Wir können auch nicht sagen, ob die Aufzeichnung dennoch möglich ist, jedoch ist das Kabel wichtig, da es einen Konverter enthält, also nicht durch ein normales USB-Kabel ersetzt werden kann.

Hinweis: sollten Angaben in diesem Beitrag nicht mehr stimmen, bitte kurze Nachricht an uns, wir suchen jederzeit gerne nach ähnlichen Alternativen.

Wie funktioniert die Software?

Die Bedienung des kleinen Geräts und der Software ist, wenn man sich mal an die Bedienung des Pulsoximeters über eine einzige Taste gewöhnt hat, recht schnell verstanden. Menschen mit CF, die Hilfe für die ersten Schritte brauchen, beraten wir gerne. Bitte uns dann einfach über unsere Kontaktseite oder über unsere Facebookseite anschreiben oder anrufen.

Was macht man mit der Auswertung der Software?

Den Ausdruck nimmt man mit zum CF-Behandlungsteam. Alternativ kann man auch einen Screenshot (AltDruck) anfertigen und in ein Mailprogramm wie Outlook kopieren und so dann absenden. Die Software beherrscht sehr viele Darstellungen und Auswertungsverfahren, unserer Meinung nach bleibt da kaum ein Wunsch offen. Hier ein Beispiel:

Was sollte nach Abgabe der Analysedaten geschehen?

Entweder reicht dem CF-Team das Protokoll (vielleicht auch mehrere Protokolle aus mehreren Nächten) zusammen mit den vorgebrachten Beschwerden für eine Verordnung zur Versorgung mit Sauerstoff (LOT). Oder dir wird eine eingehendere Untersuchung in einem Schlaflabor ans Herz gelegt.

Oh nein, nachts Sauerstoff!?

Ja, die Entscheidung dafür ist nie leicht, weil sie auch wieder Zeichen einer Verschlechterung deines bisherigen Gesundheitszustands markiert. Der Gedanke, sich Sauerstoff über eine Nasenbrille zuzuführen, wirkt erst einmal erschreckend.

Und was habe ich dann also davon – außer erstmal wirklich schlechter Laune?

Du fühlst dich morgens vielleicht wieder gleich viel wohler! Nach paar Tagen Eingewöhnung wirst du dich bereits etwa fragen: warum habe ich das nicht schon ein halbes/ganzes/… Jahr früher gemacht? Das Stigma, das dir am Anfang so große Sorge gemacht hatte, ist auch schon längst wieder vergessen. Dein/e Partner/in freut sich, dass es dir besser geht, etwa vielleicht keine Kopfschmerzen mehr morgens.

Und was bringt es „objektiv“?

Ein erholsamerer Schlaf ist grundsätzlich für alle körperlichen Prozesse wichtig, nicht zuletzt für die Psyche. Besonders aber profitiert die Lunge vom geringeren Stress im Gewebe. Denn, wie anfangs gesagt, führt ein schon leichter Sauerstoffmangel zu zusätzlichen entzündlichen Prozessen im Lungengewebe.

 

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